2602 HA Antakt Ruth Hostettler

«Krankenpflege» von April/Mai: Freiberuflich und nahe an den ­Patient:innen

Zwischen sieben und zehn Prozent der häuslichen Pflege in der Schweiz werden von ­freiberuflichen Pflegefachpersonen erbracht. Sie leisten einen wichtigen – und stark wachsenden – Beitrag zur Versorgung. Die Anerkennung der Freiberuflichen steht im Mittelpunkt der ­Arbeit von Ruth Hostettler beim SBK und von Gérard Villarejo als Präsident von curacasa.

Text und Foto: Florence Michel

Ruth Hostettler ist seit 2018 beim SBK für die freiberuflichen Pflegefachpersonen zuständig. «Mein Herz schlägt dafür, dass die freiberufliche Pflege nicht nur eine mögliche Wahl ist, sondern auch ein geschätzter und nachhaltiger Weg in der Schweizer Pflegelandschaft», sagt die Berner Oberländerin, die als freiberufliche Pflegefachfrau in der Pädiatrie arbeitet. «Obwohl die freiberufliche Pflege der breiten Öffentlichkeit noch wenig bekannt ist, ist sie ein wesentlicher Teil des Gesundheitssystems. Sie ermöglicht den Pflegefachpersonen, ihren Beruf weiter auszuüben, anstatt ihn aufzugeben.» Die gesetzlichen Grundlagen für die freiberufliche Pflege wurden vor 30 Jahren geschaffen. Die Förderung ihrer Qualität und die Interessenvertretung macht Fortschritte, steht aber auch vor Herausforderungen, wie Gérard Villarejo, der Präsident von curacasa erklärt (S. 15).

 

Krankenpflege: Was ist der Antrieb für Ihr Engagement?

Ruth Hostettler: Eine tiefe Überzeugung: Den Pflegefachpersonen zu ermöglichen, ihren Beruf gemäss ihren Werten auszuüben und gleichzeitig den Patient:innen eine kontinuierliche, individuelle und qualitativ hochwertige Pflege zu bieten. Freiberuflichkeit ist viel mehr als nur eine Alternative zur Anstellung in einer Institution. Sie fördert die Kontinuität der Pflege dank stabiler Teams, die die Patient:innen betreuen, sie stärkt das Vertrauen und die Zufriedenheit der Pflegebedürftigen und trägt zur Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems bei, indem sie Spitäler und Pflegeheime entlastet. Die bundesrätliche Strategie «ambulant vor stationär» unterstreicht, wie wichtig es ist, die Patient:innen so weit wie möglich zu Hause zu versorgen. Freiberufliche Pflegefachpersonen spielen darin eine Schlüsselrolle, indem sie eine kontinuierliche und personalisierte Pflege anbieten, die in einem institutionellen Rahmen nicht immer realisierbar wäre. Mit der alternden Bevölkerung wird die Nachfrage nach dieser Art der häuslichen Pflege wohl steigen, was die strategische Rolle der freiberuflichen Pflegefachpersonen im Gesundheitssystem weiter stärkt.

 

Wodurch zeichnet sich die freiberufliche Pflege aus?

Vor allem durch die grössere Autonomie bei der Organisation der Arbeit. Sie ermöglicht, das eigene Pensum festzulegen und die Art der Patient:innen zu wählen, um die Pflege an deren Bedarf anzupassen und dabei einen beruflichen und rechtlichen Rahmen einzuhalten. Freiberuflichkeit beinhaltet auch ein eigenes organisatorisches und wirtschaftliches Modell, was eine zusätzliche Verantwortung darstellt. Im Gegenzug erhält man grosse Flexibilität und einen auf die Pflegequalität ausgerichteten Ansatz.

 

Welche Vorteile ergeben sich für die Patient:innen?

Ein wesentlicher Vorteil ist die Kontinuität der Versorgung: Die Patient:innen werden von einer begrenzten Zahl von Fachpersonen, oft von einer einzigen Bezugsperson betreut. Das fördert die Sicherheit, das Vertrauen und eine stabile therapeutische Beziehung. Die fehlende oder tiefe Personalfluktuation ermöglicht ein hohes Qualitätsniveau. Kontinuität ist besonders wichtig in der Pädiatrie und der Psychiatrie, wo der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses unverzichtbar ist für das Erreichen der Versorgungsziele. Generell trägt die freiberufliche Pflege dazu bei, die Selbstständigkeit der Menschen zu erhalten, die Pflege an die Krankheit oder Einschränkungen anzupassen und die Lebensqualität im Alltag der Patient:innen zu optimieren.

 

Warum sollte man sich für die Freiberuflichkeit entscheiden? Ist das nicht riskanter als eine Anstellung?

Freiberuflichkeit beinhaltet tatsächlich eine grössere Verantwortung, insbesondere in organisatorischer, administrativer und wirtschaftlicher Hinsicht. Sie bringt ­finanzielle ­Herausforderungen mit sich, die je nach den kantonalen Rahmenbedingungen erheblich variieren kann. Das muss bei der Entscheidung für die Freiberuflichkeit berücksichtigt werden. Der Schritt in die Freiberuflichkeit wird oft durch den Wunsch motiviert, den Beruf unter Bedingungen auszuüben, in denen es möglich ist, die eigenen beruflichen Werte zu wahren, eine hohe Pflegequalität zu gewährleisten und bei klinischen Entscheidungen autonom zu bleiben. Ohne die Rolle der Institutionen in Frage zu stellen, ist die Freiberuflichkeit eine wichtige Ergänzung, indem die Praxis mit grösserer Flexibilität entwickelt werden kann, zum Wohl der Patient:innen und des Gesundheitssystems.

 

Zumal seit Juli 2024 die Autonomie der Pflegefachpersonen gestärkt wurde.

Ja, die Einführung des eigenverantwortlichen Bereichs im Rahmen der Umsetzung der Pflegeinitiative ist ein wichtiger Schritt: Bestimmte Leistungen können direkt abgerechnet werden, ohne ärztliche Verordnung. Auch wenn die Umsetzung manchmal komplex bleibt, ist das ein konkreter Schritt hin zu mehr Autonomie und ermöglicht den Patient:innen einen rascheren Zugang zur Versorgung.

 

Was braucht es für den Schritt in die Freiberuflichkeit?

Gesetzlich vorgeschrieben sind das Pflegediplom und zwei Jahre Berufserfahrung (in Vollzeit) nach dem Abschluss. Für die Erteilung der Berufsausübungsbewilligung und die ­Zulassung zur Abrechnung zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) sind jedoch die Kantone zuständig. Das führt zu unterschiedlichen Anforderungen und Verfahren je nach Kanton, was den Zugang zur frei­beruflichen Tätigkeit komplex und administrativ anspruchsvoll macht. Es ist daher wichtig, die Rahmenbedingungen genau zu verstehen, bevor man diesen Schritt wagt.

 

Welche Unterstützung bietet der Fachverband curacasa?

Der berufliche und rechtliche Rahmen wird insbesondere in einer von curacasa entwickelten dreitägigen Schulung geklärt. Dieser Kurs ist zwar intensiv, vermittelt jedoch die unverzichtbaren Grundlagen für die freiberufliche Tätigkeit, insbesondere für Personen ohne Vorkenntnisse in der ambulanten Pflege. Der Schwerpunkt liegt auf den rechtlichen und beruflichen Verpflichtungen, wie ­Bedarfsermittlung, Pflegedokumentation, Abrechnung, Gesundheitsrecht und Buchhaltung, ­sowie auf Qualitätsstandards und gesetzlich vorgeschriebenen Weiterbildungen. Hier bin ich als Dozentin zur Schulung der Qualitätsstandards aktiv und im Rahmen des Qualitätskonzepts Auditorin für die Westschweiz. Darüber hinaus habe ich eine Fachausbildung im Qualitätsmanagement in den Bereichen Spitex und Langzeitpflege. Wie die Arbeit anschliessend organisiert wird ist eine individuelle unternehmerische Entscheidung: Jeder und jede Freiberufliche kann ihr bzw. sein Geschäftsmodell unter Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der beruflichen Anforderungen frei gestalten.

 

Viele Freiberufliche arbeiten in Netzwerken. Was bringt das?

Die Arbeit in einem Netzwerk ist unerlässlich, um Kontinuität und Qualität zu gewährleisten, insbesondere wenn Patient:innen regelmässige oder tägliche Einsätze benötigen. Sie ermöglicht zuverlässige fachliche Ablösungen und schützt die Gesundheit und Verfügbarkeit der freiberuflichen Pflegefachpersonen. Netzwerke fördern auch den Austausch von Kompetenzen, die Koordination sowie eine flexible und nachhaltige Organisation der Pflege. Sie sind ein echter Mehrwert für die Sicherheit und Kohärenz der Versorgung. Die Zusammenarbeit kann jedoch in bestimmten Regionen oder Fachgebieten, in denen die Zahl der Freiberuflichen begrenzt ist, eine Herausforderung sein. Das unterstreicht die Bedeutung der langfristigen Entwicklung und Stärkung dieser Netzwerke.

 

Freiberufliche Pflegefachpersonen können ihre Tarife nicht selbst bestimmen, sondern sie werden von den Kantonen festgelegt. Ist das problematisch?

Die Finanzierung der ambulanten Pflege wird von den Kantonen gemäss Art. 25a der KVV geregelt. Ein Teil der Leistungen wird von der OKP finanziert, der Rest – die sogenannten «Restkosten» – werden vom Kanton und in manchen Kantonen von den Gemeinden übernommen. Teilweise kommt dazu auch eine finanzielle Beteiligung durch die Patient:innen. In einigen Kantonen ist die Restfinanzierung begrenzt oder unterliegt zusätzlichen Kontrollvorschriften. Das kann bis zu drei separate Rechnungen für eine einzige Pflegestunde und einen erheblichen administrativen Aufwand zur Folge haben. Diese Unterschiede verdeutlichen die Komplexität des föderalistischen Systems und die Herausforderungen, mit denen freiberufliche Pflegefachpersonen konfrontiert sind.

 

Das Einkommen der Freiberuflichen variiert je nach Kanton. Lässt es sich mit dem Lohn einer angestellten Pflegefachperson vergleichen?

Das Einkommen steht in direktem Zusammenhang mit der Art, wie die Finanzierung im Kanton festgelegt ist und inwieweit diese den tatsächlichen Kosten entspricht, aber auch mit der Organisation der Arbeit. So beeinflussen das Einzugsgebiet, die Art der Patient:innenschaft und die Effizienz der Administration das finanzielle Ergebnis. Grundsätzlich ist es möglich, von der selbstständigen Tätigkeit zu leben, doch es ist schwierig, einen direkten Vergleich mit dem Lohn einer angestellten Pflegefachperson anzustellen. Ein solcher Vergleich wäre jedoch wünschenswert, um eine gerechte Anerkennung, Wertschätzung und Entlöhnung der Arbeit der Freiberuflichen zu gewährleisten.

 

Die Kontrolle und das Qualitätsmanagement sind von entscheidender Bedeutung. Wie sind sie geregelt?

Qualitätskontrolle und -management basieren auf genauen gesetzlichen Vorgaben. Freiberufliche Pflegefachpersonen setzen diese mithilfe des von curacasa entwickelten Qualitätsmanagementsystems (QMS) um. Die einzuhaltenden Kriterien sind in einem nationalen Rahmen festgelegt, der 2014 vertraglich vereinbart wurde und aktuell in einer neuen Qualitätsvereinbarung zwischen priosuisse und curacasa überarbeitet wird. curacasa wurde zu diesem Zweck gegründet und ist heute ein unabhängiger Verband, der die Umsetzung und Kontrolle des QMS gewährleistet. Einige Kantone haben das Konzept übernommen, teilweise durch Anerkennung des Labels von curacasa, wobei sie sich die Möglichkeit vorbehalten, weitere Kriterien hinzuzufügen. Das trägt zu einem einheitlichen und hohen Qualitätsniveau der freiberuflichen Pflege bei, auch wenn es administrativen Aufwand verursacht. Eine der grössten Herausforderungen ist festzustellen, dass trotz Selbstständigkeit strenge gesetzliche und kantonale Anforderungen gelten. Diese Verpflichtungen führen zu Frustration, da sie nicht immer finanziell abgedeckt sind und die Verhandlungen mit den Kantonen über den Einbezug dieser Kosten in die «Restkosten» oft ergebnislos bleiben.

 

Warum ist der Kampf um die Anerkennung der Freiberuf­lichen so wichtig?

Über die Qualität der Pflege hinaus ist die Anerkennung der freiberuflichen Praxis auch wichtig für die Attraktivität des Berufs und die Deckung des Pflegebedarfs dort, wo institutionelle Strukturen nicht immer mithalten können. Die Sichtbarkeit der freiberuflichen Pflege in der öffentlichen Debatte und in der Gesundheitspolitik bleibt daher eine Priorität, ebenso wie die Schaffung klarer Rahmenbedingungen und einer gerechten Finanzierung, um die Nachhaltigkeit und Qualität dieser beruflichen Alternative zu gewährleisten. Mit der Neuorganisation von alliance care und der Neuverteilung von Rollen und Verantwortlichkeiten setze ich mich weiterhin mit Begeisterung dafür ein, die freiberufliche Pflege zu vertreten und zu strukturieren, indem ich dafür sorge, dass sie sichtbar, anerkannt und unterstützt wird. Und gleichzeitig begleite ich die freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen in einem klaren und professionellen rechtlichen und qualitativen Rahmen.

 

 

 

Gérard Villarejo, Präsident von curacasa (Foto: zVg)

«Die Tarife sind generell zu tief»

Gérard Villarejo ist Präsident von curacasa, dem Verband der freiberuflichen Pflegefachpersonen. Der Verband setzt sich für die Qualität ein, aber auch für die Vielfalt und finanzielle Sicherheit der freiberuflichen Pflegefachpersonen.

Der starke Anstieg der Zahl der freiberuflichen Pflegefachpersonen von 1500 auf 3400 in den letzten fünfzehn Jahren «war linear und folgte dem steigenden Bedarf aufgrund der alternden Bevölkerung sowie der Verlagerung von stationären hin zu ambulanten Leistungen in der Langzeit- und Psychiatriepflege», stellt Gérard Villarejo, Präsident von curacasa fest. In seinen Augen erklären die zunehmend schwierigen Arbeitsbedingungen wahrscheinlich einen Teil der Abwanderung von Pflegefachpersonen in die Freiberuflichkeit. «Diese hat sich zunehmend zu einer Hauptbeschäftigung entwickelt, da sich die Bedingungen verbessert haben. Dazu hat das Inkrafttreten der Restfinanzierung im Jahr 2011 beigetragen.»

Gérard Villarejo entschied sich vor zwanzig Jahren, nach zehnjähriger Tätigkeit in der Psychiatrie als freiberuflicher Pflegefachmann für psychische Gesundheit zu arbeiten. «Mir wurde klar, wie wichtig es ist, auf die Patient:innen in ihrem Umfeld zuzugehen und sich an ihre Bedürfnisse und Lebensumstände anzupassen. Freiberufliche können individuelle Werkzeuge für besondere Situationen entwickeln.»

 

Komplizierte Finanzierung

curacasa setzt sich für «die Vielfalt der Freiberuflichen und ihre sichere Finanzierung ein», erklärt der Präsident. Angesichts der Ausbildung der Pflegefachpersonen und ihrer besonderen Verantwortung als Freiberufliche seien die Tarife generell zu tief. Einige Kantone wie Zürich, Genf und Jura berücksichtigten das besser als andere. Der Selbstbehalt der Patien­t:innen, eine Besonderheit der Pflegefinanzierung, verkompliziere die Situation und erhöhe den administrativen Auftrag. «Wir müssen sicherstellen, dass die Kantone, die den Patient:innen noch keine Kosten in Rechnung stellen, an ihrer Haltung festhalten.»

 

Neues «Matching»-System

curacasa hat kürzlich auf seiner Website eine Funktion eingerichtet, die Patient:innen direkt mit freiberuflichen Pflegefachpersonen in ihrer Gemeinde zusammenbringt. Dieses «Matching»-System, so Villarejo, vereinfache die Abläufe erheblich: «Es erspart Ärzt:innen, Liasons-Pflegefachpersonen oder Patient:innen, dass sie mehrere Pflegefachpersonen kontaktieren müssen, bevor sie eine Person mit freien Kapazitäten finden».

Die Gründung des Pflegedachverbands alliance care stelle einen wichtigen Fortschritt für die Freiberuflichen dar, ist Villarejo überzeugt. «Unter diesem Dach wird curacasa zum führenden Verband für die freiberufliche Pflege, mit dem Ziel, die Ressourcen und die Sichtbarkeit der Fachpersonen nachhaltig zu stärken.» Vorrangig sei die Umsetzung der einheitlichen Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen (EFAS). curacasa werde sich für eine gerechte Tarifstruktur einsetzen, die es der freiberuflichen Pflege ermöglicht, sich nachhaltig zu entwickeln und die häusliche Pflege für Patient:innen zu gewährleisten, die dieses Modell wünschen. Die kommenden Jahre werden von einem doppelten Spannungsfeld geprägt sein: dem steigenden Bedarf aufgrund der Demografie und dem anhaltenden finanziellen Druck auf das Gesundheitssystem. In diesem Zusammenhang werde die integrierte Versorgung zunehmend an Bedeutung gewinnen. «Es wird entscheidend sein, dass curacasa und alliance care dafür sorgen, dass die Freiberuflichen in neue Modelle integriert werden und ihren anerkannten Platz erhalten.»

curacasa.ch

Die 3400 freiberuflichen Schweizer Pflegefachpersonen

Alter Bis 40 Jahre: 23 %
Zwischen 40 und 60: 51 %
60 und älter: 19 % – von denen fast 40 % das Rentenalter überschritten haben. Der Verbleib im Beruf scheint hoch zu sein. 
­Es ist eine leichte Verjüngung des Durchschnittsalters zu ­beobachten.

Geschlecht Frauen 81 %, 
Männer 19 %

Sprachen Deutsch 42 %
Französisch 37 %, 
Italienisch 22 %.
Im Vergleich zur sprachlichen Verteilung der Bevölkerung ist der Anstieg bei den Freiberuf­lichen in der Westschweiz und im Tessin stärker als in der Deutschschweiz.

Beschäftigungsgrad Den Daten des BFS zufolge ist nicht nur ein Wachstum der Zahl der frei­beruflichen Pflegefachpersonen zu beobachten, sondern auch ein Anstieg der Erwerbsquote: de von 63 % im Jahr 2011 auf 74 % im Jahr 2024.

Eigenverantwortlicher Bereich – Am Ursprung der Pflegeinitiative

Das Engagement für den eigenverantwortlichen ­Bereich der Pflegefachpersonen war der eigentliche Auslöser für die Pflegeinitiative. Bereits im Jahr 2000 hatte SVP-Nationalrat Rudolf Joder im Parlament eine Motion eingereicht, die verlangte, dass Pflegefach­personen im KVG als selbstständige Leistungserbringer:innen aufgeführt werden.

Nach der Ablehnung der Motion lancierte Joder die parlamentarische Initiative (pa.Iv.) «Gesetzliche Anerkennung der Verantwortung der ­Pflege» (11.418). Sie verlangte, dass typisch pflegerische Leistungen ohne ärztliche Anordnung von den Krankenkassen erstattet werden. Der SBK setzte grosse Hoffnungen auf diesen Vorstoss und lobbyierte intensiv für das Anliegen – ohne Erfolg: Die pa.Iv. wurde in der Eintretensdebatte am 27. April 2016 sang- und klanglos versenkt. Innerhalb von 45 Minuten wurden fünf Jahre politische ­Arbeit zunichte gemacht.

Für den SBK war es klar, dass er diese «Ohrfeige» nicht einfach akzeptieren würde und lancierte als Reaktion darauf die «Volksinitiative für eine starke Pflege», in der auch die Forderung nach dem eigen­verantwortlichen Bereich wieder aufgenommen wurde. Die Pflege­initiative wurde am 28. November 2026 von 61 Prozent der Stimm­berechtigten angenommen. (mac)

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