«Die Mitglieder werden ganz viele Vorteile haben!»
Der SBK befindet sich in einem radikalen Umbauprozess. Die Krankenpflege hat Christina Schumacher gefragt, wie es läuft und vor allem, wie die Mitglieder vom neuen, schlanken SBK und vom neuen Dachverband alliance care profitieren werden.
Interview: Martina Camenzind / Foto: SBK-ASI
Christina, du bist als stellvertretende SBK-Geschäftsführerin mittendrin beim Umbau des SBK und dem Aufbau von alliance care. Was ist der aktuelle Stand?
Wir sind voll im Rekrutierungsprozess für die Betriebsorganisation von alliance care. Ein wichtiger Teil ist die Stellenbesetzung in den kantonalen Büros. Das läuft extrem gut und wir haben schon fast alle Stellen von kantonalen Verantwortlichen besetzen können. Diese Personen sind extrem wichtig. Denn sie sind in ihrem Kanton dafür verantwortlich, dass die Arbeit vor Ort gemacht wird, die auch wirklich vor Ort gemacht werden muss: Sie sollen in die Institutionen gehen, sich mit der Politik vernetzen, sind zuständig für GAV-Verhandlungen, sind Ansprechpersonen für Pflegende und Stakeholder usw. Alle Arbeiten, die nicht vor Ort erledigt werden müssen, werden von der Zentrale übernommen, also IT, HR, Buchhaltung, Sekretariat, Logistik etc.
Was ist der Grund für diese Organisationsform?
In der Schweiz sind die Kantone für die Gesundheitsversorgung zuständig. Darum brauchen wir in jedem Kanton eine starke Interessenvertretung von alliance care. Die kantonalen Verantwortlichen werden manchmal mit dem SBK-Hut unterwegs sein, manchmal für curacasa oder auch für den neuen Verband der HCA – einfach für das Thema das gerade ansteht.
Apropos Verband der HCA: Wie ist da der Stand der Dinge?
Auch hier läuft es super! Der neue Verband «swiss hca» wurde am 30. September in Chur gegründet. Es war noch die Frage, ob er ein Berufsverband nur für FaGe werden soll. Die Projektgruppe hat nun entschieden, dass es ein Verband sein soll, der für alle Pflegenden, die kein Diplom auf Tertiärstufe haben, eine Heimat ist, also auch für die Assistent:innen Gesundheit und Soziales oder die Pflegehelfenden SRK. Uns ist bewusst, dass die Abkürzung HCA für «Health Care Assistants» nicht so geläufig ist. Aber das kann auch eine Chance sein, um diese Gruppe von Berufen bekannter zu machen. Und international ist der Begriff HCA etabliert.
Zurück zu den kantonalen Büros: Wie werden diese Stellen besetzt?
Wir rekrutieren primär Pflegefachpersonen aus den eigenen Reihen, also in den Sektionen. Es ist ein wichtiger Teil des Projekts, dass wir den Leuten, die heute einen Arbeitsvertrag beim SBK oder in einer Sektion haben, auch eine Stelle bei alliance care anbieten können. Wir haben auch Bewerbungen aus dem Umfeld der Sektionen, also zum Beispiel von Vorstandsmitgliedern oder Delegierten. Das ist mega cool und es formiert sich gerade ein tolles Team. Viele Leute wollen zudem neben der Anstellung bei alliance care weiter in der Pflegepraxis arbeiten.
Wodurch sie näher am Puls der Praxis sind.
Genau! Man hat ja dem SBK manchmal vorgeworfen – und nicht völlig zu unrecht – dass wir zu weit weg sind von unseren Mitgliedern, der sogenannten «Basis». Das ist ein Punkt, den wir mit der neuen Organisation adressieren.
Diese Nähe zur Basis ist einer der Vorteile des neuen SBK respektive von alliance care. Welche weiteren Vorteile haben die Mitglieder?
Sie werden ganz viele Vorteile haben! Wobei wir aktuell noch sehr viele Baustellen haben und aufpassen müssen, dass wir uns nicht «überlupfen». Wir werden nicht alles, was geplant ist, auf den 1. Januar 2026 einführen können. Woran wir mit Hochdruck arbeiten, ist die integrale Mitgliedschaft. Es soll eine Basis-Mitgliedschaft geben, zu der man je nach den individuellen Bedürfnissen und Wünschen weitere Dienstleistungen dazu buchen kann. Man wird seine Mitgliedschaft beim SBK – oder bei Swiss HCA oder bei curacasa – individuell zusammenstellen können, je nach den eigenen Bedürfnissen. Bis jetzt hatten wir ein Paket, das für alle gleich war. Das ist nicht mehr zeitgemäss. Ausserdem haben wir uns das Ziel gesetzt, dass die Mitgliedschaft günstiger wird. Beides werden wir noch nicht auf das Jahr 2026 umsetzen können, weil die Delegiertenversammlung darüber entscheiden muss. Aber diese beiden Ziele haben für uns eine grosse Priorität. Damit wir sie erreichen können, brauchen wir Grösse. Das heisst wir müssen wachsen. Und wir setzen alles daran, dass wir keine aktuellen Mitglieder verlieren. Wir wollen zudem weitere Angebote entwickeln, um Geld zu verdienen. Da denken wir gerade gross. Und schliesslich möchten wir auch der breiten Bevölkerung die Möglichkeit geben, uns – also die Pflege – zu unterstützen, mit einer Art Gönner:innenmitgliedschaft.
Was ist im Bereich Dienstleistungen für die Mitglieder geplant?
Eine ganz wichtige Dienstleistung für die Mitglieder ist die Beratung. Diese möchten wir ausbauen, damit unsere Mitglieder sich wirklich mit allen möglichen Fragen und Anliegen an den SBK wenden können. Wir werden auch stark an der Erreichbarkeit arbeiten. Alle Mitglieder, egal wo sie wohnen und arbeiten, sollen jederzeit kompetente Beratung erhalten und das auf Deutsch, Französich und Italienisch. Der erste Kontakt wird die Zentrale sein. Wenn es notwendig ist, dass jemand vor Ort vorbeigeht, zum Beispiel wenn es in einem Betrieb ein Problem gibt, ist das dann die Aufgabe der kantonalen Verantwortlichen.
Beim Dachverband alliance care sind bis jetzt neben dem SBK vor allem die Fachverbände dabei. Es sollen auch andere Verbände aus der Pflege dazukommen. Gibt es schon Neuigkeiten?
Grundsätzlich stossen wir mit dem neuen Verband auf grosses Interesse, im Sinne von «wir werden bemerkt». Mit diversen IGs und auch anderen Verbänden sind wir in engem Kontakt. Wichtig ist uns, dass wir ein Dachverband der Pflege bleiben wollen, wo die Pflege auch in der Mehrheit ist. Ein Branchenverband ist nicht unser Ziel.
Der Stichtag für den neuen SBK und alliance care ist der 1. Januar 2026. Dann übernimmt die neue Betriebsorganisation, die meisten Sektionen wird es nicht mehr geben. Wie wird dieser Übergang organisiert? Zum Beispiel bei Weiterbildungen, die Sektionen anbieten? Macht es für ein Mitglied Sinn, jetzt eine Weiterbildung zu buchen, die nächstes Jahr startet?
Das macht total Sinn! Wir sind gemeinsam mit den Sektionen daran, die schon geplanten Angebote zusammenzustellen – mit allen Details wie Kurstagen, Räumen, Dozent:innen und so weiter. Es kann absolut nicht sein, dass die neue Organisation am 1. Januar startet und wir uns dann zuerst ein halbes Jahr lang «büschelen» müssen. Der Übergang soll nahtlos vonstatten gehen. Wer sich heute für eine Weiterbildung anmeldet, kann sicher sein, dass diese Weiterbildung auch wie geplant durchgeführt wird. Das gleiche gilt für den Rechtsschutz: Auch hier muss sichergestellt sein, dass diese Fälle nahtlos weitergeführt werden.
Muss ich als Mitglied vom SBK dem neuen Dachverband aktiv beitreten?
Nein. Als Mitglied des SBK bleibst du Mitglied vom SBK – einfach vom einstufigen Verband und nicht mehr vom SBK und einer Sektion. Zusätzlich bist du ab dem ersten Januar auch Mitglied von alliance care, ohne dass du dafür mehr bezahlst. Deine Heimat als Pflegefachperson bleibt der SBK. Du profitierst einfach zusätzlich von den Leistungen von alliance care.
Und wenn du auch noch Mitglied eines Fachverbands bist, also zum Beispiel von der SIGA oder von Curacasa?
Wir sind daran, das zu harmonisieren. Das ist momentan nicht der Fall: Es gibt aktuell keinen Anreiz, eine Doppelmitgliedschaft zu machen. Wir möchten das so aufstellen, dass es nicht mehr kostet, wenn du Mitglied beim SBK und einem Fachverband bist. Etwas vom ersten, was wir diesbezüglich angehen wollen, sind die Freiberuflichen, die aktuell wirklich viel bezahlen. Für sie werden wir schon auf das Jahr 2026 hin eine Erleichterung anbieten können.
Meine letzte Frage betrifft die Sektionen, die ihrerseits der Fusion mit dem neuen SBK zustimmen müssen. Wie ist hier der Stand?
Als erste Sektion hat Genf am 26. August der Fusion zugestimmt. Inzwischen (bis am 1. Oktober) haben Neuchâtel/Jura, Aargau/Solothurn Graubünden nachgezogen – alle einstimmig. Bis auf zwei Ausnahmen werden alle Sektionen bis etwa Mitte November ihre ausserordentlichen Hauptversammlungen durchgeführt haben. Die beiden Sektionen Bern und BS/BL werden nicht auf Ende dieses Jahres fusionieren. Bei Basel wird es per Ende 2026 sein, bei Bern wohl – Stand heute – der 30. Juni 2026.
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